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Spiel, Satz… Musik! So war’s

Klingt gut klang gut. Mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen. Die 2010er-Ausgabe der Reihe war wirklich eine wunderschöne; und das sage ich ganz bewusst als Mitveranstalter, Mitorganisator und ohnehin prinzipieller Sympathisant. Meine Voreingenommenheit in allen Ehren: Es war wirklich gut. Das glänzend aufgelegte Ensemble Différance, bestehend aus Frank Zabel, Stefan Thomas (beide Klavier), Guido Pieper und Kersten Hanke (beide Schlagzeug) und ergänzt durch Jan-Filip Tupa und Niklas Seidl (beide Cello), spielte sich in unterschiedlichen Besetzungen durch Eigenkompositionen von Zabel und Thomas, durch die Uraufführung “Zeitspiel” von Stefan Johannes Hanke und durch die Kracher des Repertoires von Kurtag bis Kagel (der natürlich nicht fehlen darf bei einer Veranstaltung, die den Sport ja quasi im Namen trägt). Kritiken schreiben liegt mir fern, das sage ich jedesmal. Also soll sich mein schriftlicher Bericht darin ergehen, dass wir einen sehr unterhaltsamen, kreativen und inspirativen Konzertabend erleben durften. Sabine Töpperwien darf man dabei natürlich nicht vergessen, die in ihrer unnachahmlich engagierten, lustigen und interaktiven Art zu moderieren nie Langeweile aufkommen lies – und das bei zwei Stunden Programm ohne Pause. Ganz ehrlich: Da wäre ich in Witten schon am Kaffeestand gewesen. Aber echt. Zum Andenken noch Fotos:

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Spiel, Satz… Musik! Bei der Probe…

Ein kurzer Zwischenstopp in der Bundeskunsthalle Bonn verheißt, dass das morgige “Klingt gut.”-Konzert ein wirklich schönes werden wird. Das Düsseldorfer Ensemble Différance hat ein sehr gutes Programm im Gepäck – alles tönt wie aus einem Guss und ich komme nicht umhin, mich sehr auf den Konzertabend zu freuen. Einige Probeneindrücke gibt es gleich mit dazu, einen Bericht vom Konzert dann im Anschluss. Wer noch nicht weiß, was er am 30.04. so gegen 20 Uhr tun soll, der sei hiermit auch nocheinmal herzlich eingeladen – Details zwei Blogeinträge weiter. 

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Wittener Nächte sind kalt

Das war also Witten 2010: Schöne Konzerte, mäßige Konzerte, recht spärliches Publikum und Sonnenschein. Unterm Strich also nicht ganz schlecht. Im Vergleich zu den Vorjahren tummelten sich in der Notenausstellung dann doch eher weniger Interessierte, was wohl nicht zuletzt daran gelegen haben dürfte, dass man sich von Wittener Seite aus dazu entschlossen hatte, am Samstag kein einziges Konzert im Saalbau stattfinden zu lassen, weshalb sich das Publikum selbstredend zwischen Schule, Museum, Kirche und Eiscafe tummelte – wer sollte es ihm verübeln.

Nun, wir waren natürlich auch dort, um die Kunde von der Edition Zeitgenössische Musik unters Volk zu bringen. Im Gepäck die Neuerscheinungen von Arnulf Herrmann und Achim Bornhöft und leider noch nicht die neueste Collection75, die kam einen Tag zu spät hier an (dazu bald mehr an dieser Stelle). Trotzdem bleiben viele schöne Erinnerungen an die Provinz am Ruhrgebiet: All die netten Kollegen von Verlagen, Ensembles, Verbänden etc., das Konzert mit dem ensemble recherche in der Steiner-Schule, Cerhas Chansons, Döner am Bahnhof und der volltrunkene Fußballfan im ClubWitten (merke: in Witten wird auch im Club bestuhlreiht und nicht geredet – aber das konnte der arme Mann natürlich nicht wissen, als ihn ein resoluter Herr mit TheoWeigelAugenbrauen schnurstracks vor die Tür setzen wollte, und da komm nochmal einer mit “in der Kunst ist immer alles friedefreudeeierkuchen und so…”). Draußen vor der Tür (vorm Club) war’s dann erstaunlich kalt und so ward recht schnell aus Abend und Morgen ein neuer Tag. Aufs nächste Mal freue ich mich wie immer sehr.

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Spiel, Satz… Musik!

KlingtGut2010Menschenskinder, hat dieser Blog jetzt lange brach gelegen – sowas. Ich habe zwischendurch die Edition Zeitgenössische Musik von meinem lieben Kollegen – der an solchen Stellen immer nicht namentlich genannt werden möchte – übernommen und irgendwie blieb da nicht so richtig viel Zeit, um auch noch an der virtuellen Baustelle zu fertigen. Und dabei hätte es tatsächlich soviel zu berichten gegeben. Das hole ich nach.

Jetzt: Aus aktuellem Anlass möchte ich auf unser diesjähriges Konzert in der Reihe “Klingt gut.” hinweisen, das heuer unter dem Motto “Spiel, Satz… Musik!” steht und am 30.04. um 20 Uhr im Forum der Bundeskunsthalle in Bonn stattfinden wird. Quasi der avantgardistische Tanz in den Mai.

Gespielt werden Stücke von Xenakis, Kagel und Kurtag – interpretiert vom Düsseldorfer Ensemble Différance. Dessen Pianisten Frank Zabel und Stefan Thomas steuern auch gleich zwei Kompositionen zum Programm des Abends bei. Und eine Uraufführung gibt es auch: Stefan Hankes “Zeitspiel” lässt sich das erste Mal im öffentlichen Konzert vernehmen – wenn das mal nichts ist. Außerdem wird Sabine Töpperwien, WDR2-Sportchefin und Miss-Bundesliga als nach wie vor einzige weibliche Fußball-Reporterin in Deutschland, außerdem selbsterklärte Nichtfachfrau für Neue Musik, die Veranstaltung moderieren. Darauf freue ich mich schon besonders, denn Frau Töpperwien ist eine wirklich grundsympathische, engagierte und auch lustige Person, die alleine schon den Besuch des Konzertes wert wäre. Zusammen mit einem musikalisch so versierten Ensemble, ist das Ganze ein wunderbares – ähm – Gesamtpaket. Das klingt jetzt natürlich sehr nach Eigenwerbung (was es ist!), aber Hand drauf: auch wenn ich das Konzert nicht mitveranstalten würde, ich würde trotzdem hingehen.

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Großer Ultraschall

ultraschallWenn mich die Erkältung, die ich seit gefühlten zwei Jahren fortwährend um mich herum trage, nicht noch kurzfristig vollends dahinrafft, werde ich übers Wochenende zum Ultraschall nach Berlin reisen. Vor allem Elena Mendozas Gramática de lo indecible, gespielt vom ensemble recherche, möchte ich am Samstag hören, denn das Stück wird noch in diesem Jahr auf Ihrer Porträt-CD in der EZM erscheinen – der Produktionstermin dazu ist just dieses Wochenende. Vielleicht kriege ich ein paar Fotos hin.

Zugegeben: Ich bin ein wenig nervös. Das könnte aber auch daran liegen, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben einen Linienflug nutzen werde. Gnade des späten Flugs. Vorm Ultraschall habe ich keine Angst, tut schließlich nicht weh.

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Im neuen Jahr…

ausrufezeichen_160…bin ich ein Link-Tipp, und zwar in der Neuen Musikzeitung (nmz), Print wie Online – Martin Hufner sei’s gedankt. Auch wenn die Printausgabe schon im Dezember erschienen ist, fängt das neue Jahr damit gar nicht mal schlecht an. Auf also in 2010, mit vier großartigen neuen EZM-Releases. Der nächste wird übrigens Arnulf Herrmann sein, CD erscheint am 01. März – mehr dazu demnächst an dieser Stelle. Dann noch Klingt gut., Abenteuer Neue Musik, Klangkunst (übrigens auch ein Link-Tipp, s.o.), EWCM undundund… das wird ein spannendes Jahr. Mittlerweile habe ich die Editions-CDs auch halbwegs durch, also auf zu neuen Ufern; frisch motiviert wie immer und ab und an auch mal einen klar strukturierten 4/4-Takt am Start, kann ja nie schaden.

Ach, Nostalgiker der ich bin, habe ich mal wieder Siegfried Thiele rausgekramt. Ich weiß, das ist echt verstaubt, aber auch wenn es so gar nicht Avantgarde ist (die CD ist von 1995, die Stücke allerdings aus den 70er/80er-Jahren), gefällt mir das von Zeit zu Zeit wirklich gut. Tief im Herzen sind wir doch alle wenigstens ein bißchen klangschön. Zum Glück.

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In aller Kürze: Zeitkratzer & Terre Thaemlitz “electronics”

8deef3a354Heute habe ich mich an die Zeitkratzer-Box aus der edition elektronik begeben, erschienen 2008. Drei CDs, die das von mir sehr geschätzte Ensemble Zeitkratzer zusammen mit – jeweils eine CD – Carsten Nicolai, Keiji Haino und Terre Thaemlitz eingespielt hat. Mit der Kollaboration Zeitkratzer/Thaemlitz habe ich angefangen; und bin begeistert. 

Bei Theoretiker und Gender-Aktivisten Thaemlitz habe ich aufgrund dessen, was ich von ihm kannte zwar keine allzu avantgardistischen Abgedrehtheiten erwartet; dass aber bei einem achtminütigen Stück ein tanzbarer Beat von vorne bis hinten durchläuft, das ist innerhalb meines musikalischen Alltags fast schon eine kleine Sensation. down home kami-sakunobe ist mit Abstand am allernächsten an Pop als alles, was in diesen Räumen ansonsten (vielleicht jemals) zu hören war/ist/sein wird. Und das muss offentlichtlich nicht zwangsläufig billig sein (nur damit keine Missverständnisse aufkommen: In die Charts geht das trotzdem nie, dafür ist dann doch zuviel Kunst). Diese Stücke sind die Befreiung der Musik aus sämtlichen Klischees, nicht jedoch die Auflösung derselben, es ist nicht der Wechsel von einem Dogma ins nächste, sondern der freie Umgang mit den Möglichkeiten. Ich zitiere aus dem Booklet: “Ein Schlagzeug darf grooven, ein Sänger singen, eine Trompete knacksen, eine Geige kreischen, ein Ensemble klingen.” Amen.

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In aller Kürze: Carsten Hennig “Massenbewegung”

Carsten Hennig "Massenbewegung" CoverImmer dann, wenn die Zeit, die Arbeit, das Gemüt es zulässt, widme ich mich meinem Großprojekt, alle, wirklich alle CDs der Edition Zeitgenössische Musik wenigstens einmal ganz bewusst zu hören (ich berichtete). Durch bin ich noch nicht, aber auf einem guten Wege. In Anlehnung an Luhmanns Realität der Massenmedien frage ich mich natürlich – ganz Wissenschaftler, hüstel – welches Bild, welches Konstrukt von Neuer Musik sich hier in Form einer umfangreichen CD-Reihe konstituiert. Fest steht bisher: Mein eigener Kanon würde hier und da anders aussehen. Manches gefällt mir, manches gefällt mir nicht ganz so sehr – wie so oft im Leben. Und weil nun einer der großen Grundsätze netter Menschen lautet “Kritik immer unter vier Augen, Lob immer öffentlich”, habe ich mich entschlossen, die CDs, die mir ganz besonders gut gefallen, hier einfach in aller Kürze vorzustellen – keine Rezensionen allerdings, dafür sitze ich einfach an der falschen Stelle.

Gerade heute ist das die 2008 erschienene CD Massenbewegung (Hörbeispiele hier) des Dresdner Komponisten Carsten Hennig. Mir gefällt vor allen Dingen seine klangmalerische Herangehensweise. Hennigs Musik ist eine, die bei mir Bilder und Emotionen freisetzt. Es gibt wunderschön lyrische Passagen einzelner Instrumente, rhythmisch treibende Streichermotive und raumfüllende Klänge. Wahrscheinlich hat das Filmmusikstudium (so steht’s in der Biographie) einen spürbaren Einfluss in Hennigs Werken hinterlassen, und zwar einen, der mir sehr gefällt. Neue Musik muss sich nicht immer nur abstrakt präsentieren, um anspruchsvoll und trotzdem eindringlich zu sein - Massenbewegung ist dafür ein gutes Beispiel.

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klangkunst – a german sound

Im Oktober war sie bereits in Dresden beim TonLagen-Festival zu sehen, die nächsten Ausstellungsorte sind bereits in konkreter Planung: Die Wanderausstellung klangkunst – a german sound präsentiert auf kleinem Raum neun Exponate aktueller Klangkunst in Deutschland. Die Künstler, Werke, Daten und Fakten kann man bereits auf der neuen Website (www.musikrat.de/klangkunst) der Ausstellung begutachten.

Das Tolle daran aber ist, dass die Werke überall gezeigt werden können, wo es 3×3 Meter Platz und eine Steckdose hat. Könnte der Eine oder Andere bestimmt auch im heimischen Wohnzimmer realisieren; dann aber natürlich öffentlich, wäre doch schade drum. Wer sich also berufen fühlt, der Welt höchstselbst ein kleines Stückchen zeitgenössischer Kunst näher zu bringen und einen geeigneten Ort seiner Verfügung unterworfen sieht, der sei herzlich eingeladen, sich zu interessieren (Kontakt auf der Website). Wer zudem sehen möchte, was ihn erwartet, der schaut sich am besten den wunderschönen Trailer von nmz-Media an:

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Martin Schüttler “pelze & restposten”

MArtin Schuettler - CoverSeit gestern ist sie offiziell und so gut wie überall erhältlich: Die neuste Veröffentlichung der Edition Zeitgenössische Musik porträtiert den jungen Berliner Komponisten Martin Schüttler und hört auf den klangschönen Namen “pelze & restposten”. Nun, es ist die erste CD der Reihe seit Bestehen dieses Blogs, und die Frage ist: Was tun? Denn natürlich möchte ich die CD ja hier vorstellen und zugänglich machen, aber ich kann auf der anderen Seite kaum ernsthaft eine Rezension oder Kritik (am besten noch mit Sternchen für Klang, Interpretation und – besonders schön – Repertoirewert) anbieten; wie sähe das denn aus? Das sollen andere übernehmen. Aber ein wenig zur CD schreiben lässt sich dann zum Glück doch.

Martin Schuettler - FotoMit 35 Jahren befindet sich Martin Schüttler deutlich unter den jüngeren Komponisten der Reihe, die doch “für gewöhnlich Ihre Porträt-CD zum vierzigsten Geburtstag geschenkt bekommen” (Zitat aus Donaueschingen). Seine Musik ist durchzogen von elektronischen Klängen, Computersounds, Rauschen, Knacken, Surren und Zirpen, oftmals im Zusammenspiel mit “analogen” Instrumenten. Im Booklettext heißt es, Schüttlers Kompositionen “beißen mit bleckenden Zähnen hinein in die real existierenden Zustände”. Was das in letzter Konsequenz bedeutet, möchte ich mir gar nicht vorstellen, aber es zeichnet ein sehr treffendes Bild von dem Eindruck, den ich beim ersten Hören der CD hatte. Es sind unheimlich kraftvolle Klänge, die da auf einen zukommen, zuweilen anstrengend und unbequem und auf keinen Fall dazu geeignet, in irgendeinem Hintergrund zu laufen. Auf diese Stücke muss man sich wohl entweder völlig einlassen oder Muzak hören.

Stellt sich die Frage, ob Schüttler hier mehr Pelze oder mehr Restposten abgeliefert hat. Das liegt sicherlich, wie so oft in Zeiten des avantgardistischen Pluralismus, im Auge bzw. Ohr des Betrachters, und meiner Oma würde ich die CD sicher nicht zu Weihnachten schenken. Meinem Kommilitonen aus dem Doktoranden-Kolloquium aber schon. Auf der Pfeilspitze der musikalischen Avantgarde, die sich fortwährend durch die Zeit bewegt (ein lustiges Bild, dass George Rochberg schon in den 60er/70er-Jahren verwendete), hat Martin Schüttler sicher einen Platz in den vorderen Reihen. Seine Musik eckt – bewusst – an; wer dabei mitmacht, wird mit einer Flut von abgefahrenen Klängen und Sounds belohnt (Hier gibt es Hörbeispiele). Und mit “Das Mitleid ist die Geißel der Menschheit, Sheriff.” gibt es definitiv den coolsten Werknamen, den die Edition seit langem gesehen hat.

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