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Martin Schüttler “pelze & restposten”

MArtin Schuettler - CoverSeit gestern ist sie offiziell und so gut wie überall erhältlich: Die neuste Veröffentlichung der Edition Zeitgenössische Musik porträtiert den jungen Berliner Komponisten Martin Schüttler und hört auf den klangschönen Namen “pelze & restposten”. Nun, es ist die erste CD der Reihe seit Bestehen dieses Blogs, und die Frage ist: Was tun? Denn natürlich möchte ich die CD ja hier vorstellen und zugänglich machen, aber ich kann auf der anderen Seite kaum ernsthaft eine Rezension oder Kritik (am besten noch mit Sternchen für Klang, Interpretation und – besonders schön – Repertoirewert) anbieten; wie sähe das denn aus? Das sollen andere übernehmen. Aber ein wenig zur CD schreiben lässt sich dann zum Glück doch.

Martin Schuettler - FotoMit 35 Jahren befindet sich Martin Schüttler deutlich unter den jüngeren Komponisten der Reihe, die doch “für gewöhnlich Ihre Porträt-CD zum vierzigsten Geburtstag geschenkt bekommen” (Zitat aus Donaueschingen). Seine Musik ist durchzogen von elektronischen Klängen, Computersounds, Rauschen, Knacken, Surren und Zirpen, oftmals im Zusammenspiel mit “analogen” Instrumenten. Im Booklettext heißt es, Schüttlers Kompositionen “beißen mit bleckenden Zähnen hinein in die real existierenden Zustände”. Was das in letzter Konsequenz bedeutet, möchte ich mir gar nicht vorstellen, aber es zeichnet ein sehr treffendes Bild von dem Eindruck, den ich beim ersten Hören der CD hatte. Es sind unheimlich kraftvolle Klänge, die da auf einen zukommen, zuweilen anstrengend und unbequem und auf keinen Fall dazu geeignet, in irgendeinem Hintergrund zu laufen. Auf diese Stücke muss man sich wohl entweder völlig einlassen oder Muzak hören.

Stellt sich die Frage, ob Schüttler hier mehr Pelze oder mehr Restposten abgeliefert hat. Das liegt sicherlich, wie so oft in Zeiten des avantgardistischen Pluralismus, im Auge bzw. Ohr des Betrachters, und meiner Oma würde ich die CD sicher nicht zu Weihnachten schenken. Meinem Kommilitonen aus dem Doktoranden-Kolloquium aber schon. Auf der Pfeilspitze der musikalischen Avantgarde, die sich fortwährend durch die Zeit bewegt (ein lustiges Bild, dass George Rochberg schon in den 60er/70er-Jahren verwendete), hat Martin Schüttler sicher einen Platz in den vorderen Reihen. Seine Musik eckt – bewusst – an; wer dabei mitmacht, wird mit einer Flut von abgefahrenen Klängen und Sounds belohnt (Hier gibt es Hörbeispiele). Und mit “Das Mitleid ist die Geißel der Menschheit, Sheriff.” gibt es definitiv den coolsten Werknamen, den die Edition seit langem gesehen hat.

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Posted in Edition Zeitgenössische Musik.

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